Bela B Felsenheimer – Scharnow. Roman

Vielleicht muss man raus aus den großen Städten, um die möglicherweise magischen Beziehungen zwischen Menschen und die kleinen Abenteuer im ländlichen Raum ganz groß darstellen zu können. Vielleicht muss einen Bela B Felsenheimer dazu in eine fiktive Ortschaft im Umland von Berlin entführen, um uns vor Augen zu führen, wie viel mehr Leben die Verkäuferin im Supermarkt im Gegansatz zum langweiligen Leser vorzuweisen hat; oder dass die wahre Freiheit möglicherweise erst gefunden werden kann, wenn man seine Küche zumauert. Vielleicht liegt so ein Ort in Brandenburg.

Vom Heyne Hard Core Label sollte man sich nicht abschrecken lassen, all zu blutig ist die Handlung nicht.

Dort, in Scharnow, kann die Idylle des ländlichen Raums auch die tiefsten Abgründe und die unheimlichsten Mysterien versteckt halten. Das wird uns gleich zu beginn des Buchs unmissverständlich klar gemacht, als der erfolgreiche Buchblogger Wassmann sein jähes und überraschendes Ende durch ein verfluchtes Buch ereilt. So richtig erschüttern kann die Tat den 4200 Seelenort Scharnow nicht. Fast abgeschnitten vom Rest der Welt erscheint das Dorf, in dem sich beispielsweise eine Gruppe Punks in einem Pakt der Glücklichen zusammen geschlossen hat. Dazu gehören ihrer Meinung nach Schnaps-Fanta-Mischungen, Chips und Gore-Filme, die natürlich nur echt vom VHS-Tape abgespielt werden dürfen. Deren Nachbarin ist wenig begeistert von den Geräuschen, die jede Nacht aus der Wohnung des Paktes dringen und übt schon mal Schimpfworte, die sie den Jungs gerne um die Ohren hauen würde. Dabei erwartet sie doch eigentlich ihre Enkelin, die aus Berlin zu Besuch kommt und sich gerade Hals über Kopf in Hamid den Sohn des Internetcafé-Betreibers verliebt hat.

Diese und noch viel mehr schräg bis abstruse Charaktere entwickelt Bela B Felsenheimer über die Seiten seiner umfangreichen Erzählung. Hier und da setzt er zarte Berührungspunkte und baut schließlich ein gigantisch großes Komplex an kleinen Geschichte zu einer großen Ganzen zusammen. Wie es sich in der modernen Literatur gehört, führt er den Leser nicht nur vor, sondern auch an der Nase herum. Einmal zeichnet er einen Charakter so skurril, dass man sich doch dazu genötigt fühlt, im Personenverzeichnis nach zu sehen, um was für einen Typen es sich da eigentlich handelt. Stattdessen werden nur noch neue, viel irrsinnigere Fragen aufgeworfen. Ein tolles Schauspiel eröffnet sich auf den Seiten vor einem, während der Autor auch noch mit seinen Lesern spielt. Eine wahre Freude.

Wir müssen aber auch über eine Unsitte sprechen, die mir zum Beispiel auch bei Bardugos Lied der Krähen oder den Azuhr Büchern von Bernhard Hennen unangenehm aufgefallen ist: Die Bemalung der Seiten des Buchs. Das wird bei Hennen zwar nur in der Erstauflage und in blau und gelb vorgenommen, aber auch bei Bardugo oder eben bei Felsenheimer wird das Buch seitlich, und durchaus effektvoll, mit schwarzer Farbe bemalt. Das macht das Buch vielleicht interessanter, aber dafür kleben die Seiten auch unnötig fest aneinander, dass einem beim umblättern ständig die Angst umtreibt, gleich zwei Seiten auf einmal weiterzublättern, oder das Buch zu beschädigen.

Auch seltsam ist – und da kann man den Autor vor der Kritik auch nicht mehr aussparen -, dass die sprachliche Qualität des Prologs, nicht in den nachfolgenden Kapiteln gehalten werden kann. Dazu kommt, dass dieses Kapitel so ekelerregend ist, wie der ganze Rest des Buches nicht. Man könnte fast meinen, dass da aus Marketingründen noch mal jemand den Text zugespitzt und verfeinert hat, damit auch der Feuilleton beglückt wird. Völlig unnötig, denn dem normalen Leser reicht, mit Bela einen ziemlich wilden Traum vom Land erleben dürfen. Auch wenn man nicht alle paar Sätze anhalten muss, um einen besonders rafinierte Umschreibung bei Twitter zu posten, oder wahlweise mit einem Bleistift zu unterstreichen.

Gut, machen wir noch die unvermeidliche Referenz zu Belas anderer Tätigkeiten in der Unterhaltungsbranche: Das Buch ist wie ein Drumset aus 100 verschiedenen Trommeln, Tomtoms, Becken und ein paar anderen Geräuscherzeugern. Es ist einfach drauf zu hauen und ein einfaches Bumm zu erzeugen. Doch erst der Meister schafft es mit zwei Stöcken, ein bis zwei Fußpedalen und ganz viel Können einen mitreißenden Rythmus zu erschaffen. Und Scharnow ist die Basedrum.


The End of Television

Wenn diese Woche noch keiner das Ende des Fernsehens proklamiert hat, ist jetzt aber allerhöchste Beisenherz. Allerdings befeuern diesmal nicht YouTube oder Netflix den Untergang, sondern Autor Aaron Sorkin. Nach der Ausstrahlung der letzten Folge seiner Serie “The Newsroom” am 14. Dezember werde er nie wieder fürs Fernsehen arbeiten, gab er schon vor ein paar Wochen in einem Interview mit der LA Times an.

“I know the whole ‘Never say never’ stuff,” said Sorkin, whose TV imprint also includes “Sports Night,” “The West Wing” and “Studio 60 on the Sunset Strip.” “But I’m pretty certain I’m about to write my last three episodes of television.”
LA Times

Auch wenn da ein “vielleicht” im Titel der Geschichte geführt wird, stehen die Chancen schlecht wie nie. Selbst wenn er noch einmal davon überzeugt werden könnte, eine Serie zu entwickeln, wird wohl kaum eine ähnlich großartige Sendung entstehen. Während er am Ende von “The West Wing” schon lange nicht mehr als Autor für die Serie tätig war und “Studio 60 on the Sunset Strip” nie richtig beenden durfte, konnte Sorkin nun endlich eine Fernsehserie zu Grabe zu tragen. So inszenierte er zwar eine Beerdigung für einen seiner Hauptdarsteller, begräbt sinnbildlich neben der Serie aber auch gleich noch eine ganze Branche.

Die Zeit des Autorenfernsehens kommt zum Ende mit ihm. Wie beim Abgang von “The West Wing” ist da nichts mehr, was nachfolgen könnte. Die Serie über die Besatzung des Westflügels des Weißen Hauses konnte sich erst nach Jahren und in der letzten Staffel vom Weggang erholen. Bis wir den erneuten Verlust von Aaron Sorkin kompensieren, vergehen also möglicherweise wieder Jahre. Und ob es dann noch so etwas wie “Fernsehen” gibt, kann man bei allem guten Willen schon manchmal anzweifeln. Man will vielleicht “Fargo” anführen oder “True Detective”, aber muss sich dann eingestehen, dass die nur Miniserien und Effekthascher sind; mit der brachialen Schreibe und der gleichzeitig dezenten Art Geschichten zu erzählen von Aaron Sorkin ist das nicht vergleichbar.

Derzeit arbeitet er an der Fertigstellung von “Jobs”, der Verfilmung der Steve Jobs Biographie von Walter Isaacson. Der frühere Apple Chef, wird darin auch mit den Worten zitiert “Er hätte [das mit dem Fernsehen] geknackt”. Bis heute ist nicht klar, was er damit gemeint hat. Vielleicht rettet Sorkin bei der Entschlüsselung dieser Aussage nun zumindest den technischen Aspekt des Fernsehens. Vielleicht läuft seine nächste Serie aber auch einfach nur bei Netflix. Und das ist ja nun wirklich nicht mehr mit herkömmlichen Fernsehsendern vergleichbar.

San Diego Comic Con 2014: Community Panel

Manchmal fragt man sich wirklich, warum es ein Panel überhaupt gibt. Beispielsweise gab es dieses Jahr auf der San Diego Comic Con ein Hot Tub Time Machine 2 Panel. Ja, echt jetzt ohne Witz. Und ohne Witz gab es dieses Jahr erneut ein Panel zur Serie Community, die schon mehrfach tot gesagt wurde und doch jedes Jahr wieder kommt. Nachdem sich NBC von der Serie losgesagt hat, geht es im Herbst bei Yahoo weiter. Dan Harmon: “It’s season six of Community. You’ll be watching it like you always watched it. Only now it’s legal!”.

Willkommen zurück auch YouTuber magicinthennumbers, der schon seit Jahren zuverlässig komplette Panels liefert. Neben dem Community Panel hat er zum Beispiel noch:

SDCC 2014 Hannibal Panel
SDCC 2014 Teen Wolf Panel
SDCC 2014 Penny Dreadful Panel
SDCC 2014 Last of us (Movie) Panel