Ich weiß nicht welche Ausgabe der Süddeutschen Zeitung der Hollywood Reporter liest. Zumindest dichtet sich das amerikanische Blatt und Onlinemagazin aus diesem Artikel von Tobias Kneibe, der auf Informationen des NY Magazine gestützt ist und ein unsachgemäß von Nerdcore geliehenes Bild beinhaltet, eine Debatte an, die so gar nicht existiert.
Kniebe erwähnt am Ende, dass der Film explosive Wirkung haben kann, die den Film von Tom Cruise ("Valkyrie") noch zu übertreffen vermag. Er merkt aber auch an, dass das von Autor und Regisseur Quentin Tarantino mit Absicht darauf ausgelegt wurde. Von einer Debatte kann überhaupt keine Rede sein, denn weder die Medien noch die Fans haben das geleakte Drehbuch als zu harsch gescholten. Selbst nach über einem Monat hat noch niemand dieses Thema auch nur wieder angeschnitten. Ganz anders bei Cruises Werk, was 2009 anlaufen soll.
Der entscheidende Unterschied ist, dass wir Tarantino lieben und Cruise und die Scientology genauso gut leiden können, wie die NPD oder rechtsradikale Fußballfans. Man könnte auch von Abscheu sprechen. Der Hollywood Reporter zeichnet für mein empfinden dieses typisch amerikanische Bild von einem Land, in dem zwar neuerdings wieder Frieden herrscht, aber im Grunde doch alle Neonazis sind und an die Zeit des dritten Reichs zurück denken. Weit gefehlt.
Mein bereits verschiedener Großonkel hat sich im Krieg nicht im entferntesten mit Ruhm bekleckert. Man hätte ihm mit dem Lehrspruch "Unwissen schützt vor Strafe nicht" sogar Massenmord vorhalten können. Trotzdem hängt noch heute seine Merdian-Überquerungsurkunde auf dem Klo meiner Eltern. Deswegen verehren wir seine Tat noch lange nicht, noch sind wir auf rechts gedreht. Denn egal ob die Soldaten der Deutschen durch Hitler geblendet oder durch den eigenen Hass getrieben gehandelt haben, heutzutage finden ich und die meisten Deutschen es einfach grandios, wenn ein Nazi was auf die Fresse bekommt.
Einer der ganz großen, Quentin Tarantino, Regisseur und Drehbuchautor weilt derzeit in Berlin. Im Oktober beginnen die Dreharbeiten zu seinem neuen Film "Inglorious Bastaerds". Kürzlich war er zum Location Scouting unerkannt in Görlitz unterwegs, mittlerweile campieren die Medien aber vor seinem Hotel in der Hauptstadt.
Dabei wurde beispielsweise festgehalten, welche deutschen Schauspieler beim Pulp-Meister zum Vorsprechen vorbei gekommen sind. Till Schweiger, Daniel Brühl und andere wurden bereits gesichtet. Was der Süddeutschen in ihrem Artikel mehr interessiert ist aber die Tatsache, dass (wie schon bei "Kill Bill") das Drehbuch seinen Weg vorab ins Internet gefunden hat. Es verbreitet sich rasend und es ist sehr verlockend schon vorab in die Geschichte hineinzusehen.
"My name is Lt. Aldo Raine, and I'm puttin together a special team. And I need me eight soldiers. Eight - Jewish - American - Soldiers. Now y'all might of heard rumors about the armada happening soon. Well, we'll be leavin a little earlier. We're gonna be dropped into France, dressed as civilians. And once we're in enemy territory, as a bushwackin, guerilla army, we're gonna be doin one thing, and thing only, Killing Nazi's."
Ja, Tarantino hat ein Idiotenapostroph verwendet, was dem Drehbuch und dem Film mit Sicherheit keinen Abbruch tun wird. Auch nicht das absichtlich mit E geschriebene Bastards im Filmtitel. Dass sich die Süddeutsche bei ihrem Bericht aber auf die Informationen des NYMagazine stützt und nicht selbst das Drehbuch bemüht ist seltsam. (via)
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