Lost S4 (1)
Sack Zement. Das waren lange acht Monate, die seit dem Lost Finale der Saison 3 verstrichen sind. Trotz Streik begann am Donnerstag das Ende, so zumindest der Titel der neuesten Episode "Lost". Bereits im furiosen Ende der letzten Staffel gab Ben Linus den Satz zum besten: "This is the beginning of the end.". Die jüngste Folge knüpft nahtlos am Finale im Frühjahr 2007 an. Und auch dieser Blog macht da weiter, wo er sich an sich immer befindet: in Spoiler-Hausen. Ok, das war jetzt etwas konfus ausgedrückt. Im Klartext folgen jetzt Spoiler zur dritten und vierten Staffel von Lost. Wer trotzdem weiterliest, muss zu Jacob in die Hütte. Auch nicht verstanden? Dann sollte man wirklich nicht mehr weiterlesen. Spoilers are a bitch.
Diesmal habe ich mich vorab von Spoilern ferngehalten. Damit hatte ich mir bereits das angesprochene Finale versaut. Ich wusste bereits, dass die Off-Island Story in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit spielt. Ich wusste bereits, dass Charlie tragisch (und eigentlich auch aus bloser Dummheit) umkommt und ich wusste, dass der Kontakt mit dem ominösen Boot hergestellt wird. Im Nachhinein wollte ich das aber nicht mehr wissen, weil ich mir damit die Chance auf eine atemberaubende Stunde Qualitätsfernsehen genommen habe. Diesmal also richtig. Keinerlei Gerüchte und Erzählungen über die kommende Staffel anschaffen oder gar lesen. Ich glaube auch, dass deswegen viele Blogger von der Folge nicht umgehauen wurden. Wenn man bereits wusste, was die Zahl 6 zu bedeuten hat, die im Trailer auftaucht, hatte man sich den ersten Knaller, noch vor der Titelsequenz, kaputtinformiert.
Mich hat es fast vom Stuhl gehauen. Nur sechs Inselabenteurer kehren zurück. Wir wissen bereits, dass Jack und Kate die Insel verlassen werden können. Neuerdings auch, dass Hurley der Insel den Rücken gekehrt hat. Vermutlich tat er das aber auch, um das Andenken an Charlie zu erhalten und nicht nur seiner Selbst willen. Stellt sich zuerst die Frage, wer noch entkommen konnte - oder gerettet wurde? Sun muss um zu überleben die Insel zwangsläufig verlassen, doch Jin hat sich zu einer dieser Charaktere entwickelt, die gerne mal bei einer heroischen Tat ins Gras beißen. Wer ist also noch zurück in der realen Welt, sofern es die gibt? Zusätzlich erfährt man, dass wohl auch Personen zurück geblieben sind. Doch wer, neben den Offensichtlichen, hat die Insel nicht verlassen und aus welchen Gründen.
Schon beginnen sich im Kopf die wildesten Theorien zu formen. Nicht nur über den Verbleib der anderen Überlebenden von Flug Oceanic 815. Auch darüber in welcher Zeitebene die Flash-Forwards denn stattfinden. Ist vielleicht der Selbstmord von Hurley der Grund, warum Jack im Vorausblick Ende der dritten Staffel einen erneuten Tiefpunkt erreicht? Aber auch in Hinblick auf die Mythologie der Insel gibt es neue Fragen. Hurley lässt sowohl Jacobs Hütte auf der Insel, wie auch den Geist von Charlie durch Willenstärke verschwinden. Ist die Insel also doch nur eine Wahnvorstellung von Hurley, der nach seinem Lottogewinn die Vernunft verloren hat? Und hat er sie mit ihm bekannten Personen bevölkert, was beispielsweise auch Libby in der zweiten Staffel erklären würde. Wir erinnern uns an die letzte Roseanne Staffel in der ebenfalls ein Lottogewinn Teil der Geschichte war, nur um uns in der letzten Folge so richtig fest in den Magen zu schlagen.
Bei all diesen und vielen weiteren Fragen schleicht sich aber auch das Cloverfield-Gefühl ein. Der Film der vom Lost-Schöpfer J.J. Abrams produziert wurde, wird häufig wegen seiner geringen Antworten gescholten (auch wenn ich ihn noch nicht gesehen habe). Wie im Film gesagt werden soll, weiß jeder mehr über die Geschehnisse in New York, als die Personen, die das Filmband aufnehmen, was nun im Kino gezeigt wird. Steht uns etwas ähnliches auch mit Lost bevor? Smokey, der quirlige Psychoraucher, ist schon seit Langem kein großes Thema mehr. Auch nicht, woher die Essensvorräte kamen, die in Staffel zwei vor dem Bunker "abgeworfen" wurden, oder eben die Libby-Frage. Man wird dem Gefühl nicht überdrüssig, dass anstatt alte Fragen zu beantworten, immer neue aufgeworfen werden. Möglicherweise mit dem Ziel, uns die alte Fragen vergessen zu lassen, so dass diese am Ende der Serie, in 47 Folgen, auch nicht mehr beantwortet werden müssen. Vielleicht wissen wir dann, was die Insel ist, wie man auf sie kommt und wie man von ihr fliehen kann. Doch wie in Twin Peaks wissen wir dann nur, dass wir eigentlich nichts wissen. Und das wäre mir persönlich ein bisschen zu wenig für das Ende diese wundervolle Serie. Auch wenn ich Achterbahn fahren eigentlich nicht mag, von der Couch aus macht das einfach sehr viel Spaß und ist ungefährlich. Doch ich möchte trotzdem ungern am Scheitelpunkt des Loopings stecken bleiben. Das hat nämlich überhaupt nichts von Endgame, sondern von einem schlechten Verlierer, der schon vor dem Ende der Partie das Schachbrett umwirft. Und das kenn wir doch auch aus Twin Peaks.
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