Fatoni & Edgar Wasser – Check uns aus

Die Münchner Legende Fatoni (ehemals Creme Fresh) hat sich mit dem jungen Text-Talent Edgar Wasser zusammen getan und ein Album mit Titel “Nocebo” produziert. Seit gestern ist die CD über die üblichen Kanäle und die eigene Homepage erhältlich. Das dabei auch noch ein großes Musikvideo entsteht, das alle Hip Hop Klischees bedient und dann doch ins surreale abdriftet, wo selbst Kafka mit dem Kopf nickt, hätte aber vermutlich keiner erwartet.

LTJ Bukem lädt die Neunziger hoch

Er ist die Drum-and-Base Legende und lädt gerade ganz alleine die 90er Jahre ins Internet. Zumindest seine Neunziger. LTJ Bukem ist aber auch ein Leuchtfeuer dieses Jahrzehnts der elektronischen Musik. Nach dem Jahrtausendwechsel, meint man, ist es etwas ruhig um den Künstler geworden. Nicht zuletzt durch den neuen Atem den die elektronische Tanzmusik ist er wieder da, und war doch nicht weg.

Die unbeobachteten Minuten hat er genutzt und im letzten Jahr begonnen, sein Vermächtnis online zu laden. Derzeit geht zwar ein Mix durch die Blogs, den er für’s Fabric aufgenommen hat, aber der ist mir fast zu glattgeschliffen gegen die rohen von MCs durchlaberten Neunzigerjahre, die er uns zur Verfügung stellt. Gut und gerne neunzig Stunden Neunziger, was kann man mehr wollen; außer vielleicht die Neunziger zurück.

LTJ Bukem bei Mixcloud

Musiktipps vom Profi (1)

Früher zog einem der Besitzer des Plattenladens freudig die neuen Schallplatten aus den Kästen, noch ehe man die letzte Treppenstufe erreicht hat und durch die Glastür in den musikalische Olymp übergetreten war. Anhand von Verkäufen in der Vergangenheit und persönlichen Präferenzen sortierte er einem einen Stapel Platten, dem man beinahe ungehört mitnehmen konnte (wenn da nicht die eingestreuten Ladenhüter wären). Heute sorgt man sich indes mehr darüber, dass der digitale Plattenverkäufer sich die Einkäufe merkt und daraufhin gute Vorschläge für weitere Einkäufe machen kann. Zumindest so lange, bis man mal seiner Mutter eine CD von Reinhard Mey gekauft hat.

Das man überhaupt keine Quelle mehr für neue Musik hat, fällt hingegen niemand auf. Es fällt keinem auf, dass in der Hype-Machine wie bei reddit oder in den Beatport Charts die Fans regieren. Und wo sich der Künstler vielleicht über bedingungsloses Gutfinden freut und mehrmals am Tag seinen Kontostand prüft, bleiben Musikliebhaber auf der Strecke, weil man nur den alten Scheiß oder den neuen Scheiß, der immer gleich klingt, von dem immer gleichen Acts empfohlen bekommt. Das ist mit dem Aufstieg von – don’t call it Euro-Dance – EDM noch viel schlimmer geworden.

Deshalb folgt man bei Soundcloud auch keinen Interpreten, sondern einem Berliner Grafiker, der bei tweek.tv arbeitet, nebenbei immens viel Musik hört und dabei das Beste aus der Deep House Szene aufschnappt und teilt: Benjamin Fritz – von dir würde ich mir die Platten tatsächlich direkt in die Einkaufstüte packen lassen. Denn Ladenhüter sind bei deiner Zusammenstellung nicht dabei.

xDests Juli 2013 Radio Show

Eingebettet in zwei große Hip Hop Stücke – beide auf Bandcamp zu haben – findet sich in diesem Mix das Frühjahr des Deep House und House. Die fantastische Rückkehr von Elektro-Funker Isolée war aber auch langsam mal wieder angebracht. Schließlich bekommt es kaum einer so kongenial hin, aus elektrischen Bauwerken Soul herauszuziehen.

Zur Mitte hin wird es dann ein wenig cheesy, oder klassisch housig, oder wie man das nennen möchte. Besonders muss man trotzdem das KATERMUKKE Label herausstellen, dass in diesem Jahr schon mehrere tolle Releases geliefert hat – darunter auch den ein oder anderen, der sich nicht bei jemand anderem bedient.

Ganz anders: Bara Bröst, die einfach zweimal gespielt werden mussten. Ein klasse Release von eine Gruppe, die mir bislang gar kein Begriff waren. Manchmal haben Bestenlisten eben auch Geheimnisse zu offenbaren. Leider ist das viel zu selten geworden.

XDest's Radio Show July 2013 by Hendrik Bauer on Mixcloud

Festivalsommer: Glastonbury 2013

Festival verbinde ich mit einem Begriff: Glastonbury. Das Über-Festival, gegen das die “Rock am Dingens” Veranstaltungen fast schon Kleinveranstaltungen von Taubenzüchtern sind. Man sagt dem Festival nach, dass man schon nach wenigen Stunden mehr Schlamm als Schuh trägt und das zwischen eins und hunderteins jedes Alter vertreten ist. Wenn man sich die Videoimpressionen ansieht erinnert einen das mehr an eine Kreuzung aus Zirkus mit Burning Man – alles andere erscheint nur noch wie ein Hipsterzeltlager mit Bier und lauter Musik im Vergleich.

Als vor 5 Jahren Jay-Z als erster Rapper als Headliner aufgetreten ist, sorgte das noch für einen großen Aufschrei – vielleicht auch nur im Kopf von Noel Gallagher. Doch wenn man sich die Entwicklung und die Breite und Weite der Künstler ansieht, ist klar, dass die Wandlung zum Zirkus erfolgen musste. Meine kleine Zusammenstellung (lachhafte 17 Stunden) von Mitschnitten aus 2013 zeigt das auch: Von Ambiente-Sound bis zum harten Elektro – oder wie sich das sonst grade nennt, was Diplo macht -, von Reggae über den Stadionrock der Rolling Stones bis zur Wiedervereinigung (“Wir waren nie weg!”) von Public Enemy, die Möglichkeit Altes wieder und Neues neu zu entdecken scheint mir nirgendwo sonst so groß zu sein. Einmal mehr, also, schaue ich in die Richtung in der ich meine, dass Brittanien liegt … einmal mehr wünschte ich mir, dabei gewesen zu sein.