2015on45 – Der musikalische FM4 Jahresrückblick

Erneut ist ein Jahr vorbei. Erneut wurde Vorsatz gefasst, diese Seite mal wieder regelmäßig zu befüllen und sehr wahrscheinlich hab ich schon Morgen nichts mehr Neues zu erzählen. Glücklicherweise liefert FM4 in diesem Jahr wieder ein on45 zum Vorjahr, in dem vor einem Jahr noch das zwanzigste Senderbestehen gefeiert wurde. So hab ich zumindest heute was, woran ich mich gerne auch noch in ein paar Jahre erinnern will.

In diesem Jahr haben 16 DJs aus Österreich wieder ganz normal ihren Jahresrückblick 2015on45 aus der elektronische Musik und dem Hip Hop des Jahres 2015 gemixed. Am heutigen Abend werden die noch fehlenden sechs Mixe ausgestrahlt und die bereits am Sylvesterabend gesendeten wiederholt. Danach hat man ein paar Tage Zeit sich die durchgängig großartigen Mixe durchzuhören. Wie immer erkennt man dabei, wie viel man im letzten Jahr verpasst hat. Diesmal hab ich auch das Gefühl, dass die Musikauswahl von Beatport genau so viel verpasst hat. Jedenfalls finden sich viel mehr ungehörte Titel in den Elektro und Deep House Sets als in den Jahren zuvor. Selbst im Rap-Bereich hab ich dank der Rückkehr von Dendemann, Böhmermann und dem zweiten Frühling von Fatoni viel mehr mitbekommen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr finden sich allerdings keine Mixe bei Soundcloud. Zumindest bisher herrscht noch Ebbe. Sobald die MP3s von der FM4 Seit verschwinden, könnte sich das aber durchaus noch ändern. Bis dahin muss man, wie üblich, den Netzwerktraffic mitlesen oder heute Abend den Stream mit-, Entschuldigung, einschalten.

20 Years on 45

Die schlechte Nachricht: Dieses Jahr blickt FM4, der einzige Radiosender, nicht wie üblich auf’s vergangene Jahr zurück. Es gibt kein 2014on45. Wer sich, wie ich, darauf verlassen hat, schaut aber nur bedingt in die Röhre. Was wir verpasst haben ist nämlich das FM4 zwanzigsten Geburtstag feiert. Anstatt also nur auf’s vorige Jahr zurück zu blicken, gibt es gleich mal 20 Years on 45. Wie immer kann man die Titel noch ein paar Tage auf der offiziellen FM4 Seite nachhören (oder hier). Als besonderes Schmankerl hat DJ Beware sich von den Hören die Titel für seinen Mix vorschlagen lassen, was man noch ein paar Tage auf einer anderen Seite hören kann.

Danach bleibt einem, wie jedes Jahr, nur die Soundcloud. Dort finden sich neun der 22 Sets. Dass bisher aber trotzdem noch keiner eine Playlist gebaut hat, ist unverständlich. Musste ich das eben als erste Großtat des Jahres auf mich nehmen.

Return of the 90s – Afrob

Direktlink Afrob Kommt

Nach gefühlten zwanzig Revivals der 80er haben wir jetzt wohl endlich mal den Kreis in meine Jugend, die 90er, geschlagen. Besonders im HipHop hat sich das mit den letzten Alben von Sido, Stik Figa & L’Orange, Fatoni & Edgar Wasser oder zuletzt mit Marteria und 3Plusss gezeigt. Ja, sogar Prinz Pi hat im letzten Jahr ein Album abgeliefert, dass wir Kinder des frühen deutschen Rap gefeiert haben (zuhause im Sessel, natürlich).

Nur das mit dem kostenlosen Download, das ist aber sowas von 2000er.

De:Bug

Die De:Bug und ich; wir haben eine lange Beziehung. Es ist jetzt 16 Jahre her, dass ich mir die ersten Ausgabe der Zeitung gekauft habe. Es muss zum Teil daran gelegen haben, dass ich damals noch Grafiker werden wollte und mir die Zeitung mit der Erklärung schmackhaft gemacht wurde, dass sie das Zeitschriftendesign neu erfinde. Im Zeitungsformat versteckte die De:Bug nicht nur Magazin-Layouts und komplizierte Texte für die ich viel zu jung war, sondern auch eine der schönsten Serifenschriften, die ich bis dahin gesehen hatte. Weder der Begriff Debugging noch der Klang von Indie-Elektro war mir geläufig. Trotzdem wollte ich mehr von diesen elektronischen Lebensaspekten wissen, denen ich mich so nah fühlte. Ich hatte immerhin Zugang zum Internet. Aber eigentlich verliebte ich mich in die Serifenschrift.

Die Serifen wurde schon vor Jahren durch zugänglichere Schrift ersetzt. Auch das Format der Zeitung blieb nicht lange bestehen und wurde von einem etwas übergroßem Magazinformat abgelöst. Eine Zeitung blieb die De:Bug für mich dennoch immer. Das einzige was nicht glattgeschliffen wurde war die Verfügbarkeit im kleinen Zeitschriftenladen und die starke Fixierung auf Berlin. Das Internet ist bis heute eher das unerwünschte Stiefkind der De:Bug. Die erste experimentelle Webseite war ihrer Zeit weit voraus und auf der extra eingerichteten Mailingliste unterhielten sich fast ausschließlich die gleichen zehn Personen, davon fünf Autoren. Der Bruch erfolgte für mich nach einer Schimpftirade über Berlin, die eigentlich an die Liste gehen sollte, die ich aber ausversehen nur an Sascha “bleed” Kösch schickte. Danach führte mein Weg – auch aus Scham – immer seltener zur Bahnhofsbuchhandlung und nur manchmal habe ich zuletzt eine Ausgabe mitgenommen, wie wenn man verstohlen nach einer Ex-Freundin googeled.

Trotzdem tut es weh, wenn man liest, dass es damit vielleicht auch bald vorbei ist (aber auch, wenn man auf einmal einem jungen Kerl bei Soundcloud ins Gesicht sieht, der angeblich dieser legendäre “bleed” sein soll). Aber besonders dieses Bild über dem Blog-Eintrag zum Abschied, mit dem Foto der Erstausgabe schmerzt. Da ist sie wieder, diese Serife, die man nie ganz vergessen hat. Sie bleibt auch wenn das Projekt nicht mehr, oder nur im Web, weiterexistiert. Sie ist noch da, wie die Musik, die man mit der De:Bug erst entdeckt hat. Das ist die Zeitung, die die eigenen elektronischen Lebensaspekte erst formte. Und, ja, auch Berlin ist noch da. Ich war erst zweimal dort und hab leider überhaupt keine Musik gehört. Jetzt dann sowieso.