2015on45 – Der musikalische FM4 Jahresrückblick

Erneut ist ein Jahr vorbei. Erneut wurde Vorsatz gefasst, diese Seite mal wieder regelmäßig zu befüllen und sehr wahrscheinlich hab ich schon Morgen nichts mehr Neues zu erzählen. Glücklicherweise liefert FM4 in diesem Jahr wieder ein on45 zum Vorjahr, in dem vor einem Jahr noch das zwanzigste Senderbestehen gefeiert wurde. So hab ich zumindest heute was, woran ich mich gerne auch noch in ein paar Jahre erinnern will.

In diesem Jahr haben 16 DJs aus Österreich wieder ganz normal ihren Jahresrückblick 2015on45 aus der elektronische Musik und dem Hip Hop des Jahres 2015 gemixed. Am heutigen Abend werden die noch fehlenden sechs Mixe ausgestrahlt und die bereits am Sylvesterabend gesendeten wiederholt. Danach hat man ein paar Tage Zeit sich die durchgängig großartigen Mixe durchzuhören. Wie immer erkennt man dabei, wie viel man im letzten Jahr verpasst hat. Diesmal hab ich auch das Gefühl, dass die Musikauswahl von Beatport genau so viel verpasst hat. Jedenfalls finden sich viel mehr ungehörte Titel in den Elektro und Deep House Sets als in den Jahren zuvor. Selbst im Rap-Bereich hab ich dank der Rückkehr von Dendemann, Böhmermann und dem zweiten Frühling von Fatoni viel mehr mitbekommen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr finden sich allerdings keine Mixe bei Soundcloud. Zumindest bisher herrscht noch Ebbe. Sobald die MP3s von der FM4 Seit verschwinden, könnte sich das aber durchaus noch ändern. Bis dahin muss man, wie üblich, den Netzwerktraffic mitlesen oder heute Abend den Stream mit-, Entschuldigung, einschalten.

Star Wars VII – Das Erwachen der Macht

Wie riechen eigentlich Wookies nach mehreren Monaten im All? Eine Frage die man wohl nie endgültig beantworten kann oder will. Dass man im neuen Star Wars die Auftritte der Altstars bereits einen Kilometer gegen den Wind riechen kann ist hingegen das Einzige was man dem Film ankreiden muss, selbst wenn man ein Stinkstiefel sein will.

Meistens ist es fast schon zu offensichtlich, wie die Geschichte der neuen und alten Charaktere erzählt wird. Viele Jahre nach dem Tod von Darth Vader greif erneut die dunkle Seite nach der Vorherrschaft in einer weit entfernten Galaxie. Die Geschichte der Rebellen und der Jedi sind indes zur Folklore verkommen und nur noch Wenige sind überhaupt auf der Suche nach Luke Skywalker. Während das als Erste Ordnung agierende Böse kurz vor der endgültigen Machtergreifung steht, soll nur noch Skywalker die Wende bringen können. Eine Karte im Speicher des niedlichen neuen X-Wing Steuerroboter BB-8 findet mit einem geläuterten Sturmtruppler zur Metallsammlerin Rey. Natürlich ganz stilecht auf einem Wüstenplaneten. Und schon von der ersten Minute an spürt man ein Flirren von Macht in der Luft, denn es gab ein Erwachen.

Ähnlich stark flirrt die Luft in den Szenen bevor sich die bekannten Charaktere der Geschichte anschließen. Das liegt zum großen Teil daran, dass Regie-Legende – kann man jetzt wohl ganz klar sagen – J.J. Abrams sehr viel Liebe, Detailfreude und Plastizität in den Film gebracht hat, der damit viel mehr an die Teile vier bis sechs erinnert als an die Hochglanzepisoden eins bis drei. Während er das Star Trek Universum vollkommen umgekrempelt hat (und für mich weitestgehend ausgelöscht worden ist) erhalten wir hier keinen Action-Reboot sondern eine Rückbesinnung. Sets, Figuren und Roboter wurden gebaut und nicht nur im Computer erschaffen. Es ist immer noch der pure Bombast, der aus dem Film spricht. Riesige Kulissen werden jetzt aber nicht mehr nur mit grünem Stoff bezogen. In den unförmigen Ausserirdischen stecken auch Fans wie zum Beispiel Simon Pegg, deren Gesicht man noch nicht einmal sieht (und mir ist auch das angeblich so offensichtliche Cameo von Daniel Craig nicht aufgefallen). Es spielen nicht mehr nur die mit Tischtennisbällen beklebte Ganzkörperanzüge aber eben nicht ausschließlich. Der Mix aus Greenscreen Kulissen und Andy Serkis Schauspiel mit dem gelungenen Versuch den Schauspielern wieder reale Orte und Personen gegenüberzustellen geht auch für die Zuschauer vollkommen auf.

Es ist vielleicht sogar ein bisschen Absicht, diese leicht vorhersehbare Geschichte dem Gefühl eines Star Wars Films der alten Klasse unterzuordnen. Es erscheint wichtiger in den Flaggen von Maz Kanatas Burg Anakins Pod Racer Flagge unterzubringen als die Story etwas weniger durchschaubar zu gestalten. Andererseits wird nicht der Fehler gemacht, ein Pod Rennen der Geschichte hinzuzufügen, weil das ein George Lucas ganz interessant finden würde. Der frühere Herr des Star Wars Universums hat immerhin mittlerweile die Aussage wieder zurückgenommen, dass er es bedauerlich findet, dass der Film so wenig innovativ sei. Klar, da ist ein Wüstenplanet, ein Eisplanet und ein Millenium Falke, aber da ist eben kein Geruch von feuchtem Wookiefell. Wenn überhaupt, dann ist da der Geruch von Kernseife und keine Glanzspülung in der Galaxie. Da ist einfach nur ein waschecht guter Film.

20 Years on 45

Die schlechte Nachricht: Dieses Jahr blickt FM4, der einzige Radiosender, nicht wie üblich auf’s vergangene Jahr zurück. Es gibt kein 2014on45. Wer sich, wie ich, darauf verlassen hat, schaut aber nur bedingt in die Röhre. Was wir verpasst haben ist nämlich das FM4 zwanzigsten Geburtstag feiert. Anstatt also nur auf’s vorige Jahr zurück zu blicken, gibt es gleich mal 20 Years on 45. Wie immer kann man die Titel noch ein paar Tage auf der offiziellen FM4 Seite nachhören (oder hier). Als besonderes Schmankerl hat DJ Beware sich von den Hören die Titel für seinen Mix vorschlagen lassen, was man noch ein paar Tage auf einer anderen Seite hören kann.

Danach bleibt einem, wie jedes Jahr, nur die Soundcloud. Dort finden sich neun der 22 Sets. Dass bisher aber trotzdem noch keiner eine Playlist gebaut hat, ist unverständlich. Musste ich das eben als erste Großtat des Jahres auf mich nehmen.

The End of Television

Wenn diese Woche noch keiner das Ende des Fernsehens proklamiert hat, ist jetzt aber allerhöchste Beisenherz. Allerdings befeuern diesmal nicht YouTube oder Netflix den Untergang, sondern Autor Aaron Sorkin. Nach der Ausstrahlung der letzten Folge seiner Serie “The Newsroom” am 14. Dezember werde er nie wieder fürs Fernsehen arbeiten, gab er schon vor ein paar Wochen in einem Interview mit der LA Times an.

“I know the whole ‘Never say never’ stuff,” said Sorkin, whose TV imprint also includes “Sports Night,” “The West Wing” and “Studio 60 on the Sunset Strip.” “But I’m pretty certain I’m about to write my last three episodes of television.”
LA Times

Auch wenn da ein “vielleicht” im Titel der Geschichte geführt wird, stehen die Chancen schlecht wie nie. Selbst wenn er noch einmal davon überzeugt werden könnte, eine Serie zu entwickeln, wird wohl kaum eine ähnlich großartige Sendung entstehen. Während er am Ende von “The West Wing” schon lange nicht mehr als Autor für die Serie tätig war und “Studio 60 on the Sunset Strip” nie richtig beenden durfte, konnte Sorkin nun endlich eine Fernsehserie zu Grabe zu tragen. So inszenierte er zwar eine Beerdigung für einen seiner Hauptdarsteller, begräbt sinnbildlich neben der Serie aber auch gleich noch eine ganze Branche.

Die Zeit des Autorenfernsehens kommt zum Ende mit ihm. Wie beim Abgang von “The West Wing” ist da nichts mehr, was nachfolgen könnte. Die Serie über die Besatzung des Westflügels des Weißen Hauses konnte sich erst nach Jahren und in der letzten Staffel vom Weggang erholen. Bis wir den erneuten Verlust von Aaron Sorkin kompensieren, vergehen also möglicherweise wieder Jahre. Und ob es dann noch so etwas wie “Fernsehen” gibt, kann man bei allem guten Willen schon manchmal anzweifeln. Man will vielleicht “Fargo” anführen oder “True Detective”, aber muss sich dann eingestehen, dass die nur Miniserien und Effekthascher sind; mit der brachialen Schreibe und der gleichzeitig dezenten Art Geschichten zu erzählen von Aaron Sorkin ist das nicht vergleichbar.

Derzeit arbeitet er an der Fertigstellung von “Jobs”, der Verfilmung der Steve Jobs Biographie von Walter Isaacson. Der frühere Apple Chef, wird darin auch mit den Worten zitiert “Er hätte [das mit dem Fernsehen] geknackt”. Bis heute ist nicht klar, was er damit gemeint hat. Vielleicht rettet Sorkin bei der Entschlüsselung dieser Aussage nun zumindest den technischen Aspekt des Fernsehens. Vielleicht läuft seine nächste Serie aber auch einfach nur bei Netflix. Und das ist ja nun wirklich nicht mehr mit herkömmlichen Fernsehsendern vergleichbar.